200 km auf Rollschuhen

Für den Langenfelder Bernhard Weik ging ein Traum in Erfüllung (RP 18.10.1993) 200 Kilometer auf Rollschuhen bei der „Elfstedentocht“ mitgelaufen LANGENFELD. „Ich habe mir jetzt einen Wunsch erfüllt“ sagte stolz der Langenfelder Bernhard Weik und legte eine holländische Zeitung und eine Medaille auf den Redaktionsschreibtisch. Durch elf Städte: In dem Druckwerk aus dem Nachbarland ist nachzulesen, dass der Langenfelder zusammen mit vielen anderen holländischen Rollschuhläufern eine Tour durch elf Städte absolviert hat. 113 Teilnehmer wurden registriert, die in Leuwarden morgens um sieben an den Start gingen. Weik: „200 Kilometer sind problemlos mit dem Auto, dem Motorrad und für entsprechend trainierte Leute mit dem Fahrrad zu absolvieren. Wenn man jedoch 200 Kilometer auf Rollschuhen läuft, sollte die Sonne schön scheinen, Rückenwind herrschen, die Straße tipptopp asphaltiert sein und die Gelenke und Muskeln in Ordnung sein“ Weik erwischte beim Start optimale Bedingungen: acht Grad kühl und klarer Himmel. Die Strecke war so gelegt, dass die Kanäle der echten Elfstedentocht (sie wird oft auf den zugefrorenen Grachten mit Schlittschuhen absolviert) fast immer in Sichtweite waren. Weik: „Für mich stellte sich die Probleme langsam ein: Nach zehn Kilometern machte sich schon das rechte Fußgelenk bemerkbar. Das wunderte mich, da es beim Abschlusstraining über 60 Kilometer keine Beschwerden machte. Ich dachte nur daran: Noch 190 Kilometer, und bei jedem Schritt ein Schmerz.“ Die kilometerlangen Kopfsteinpflaster in den Ortschaften seien bei der herrschenden Trockenheit noch ordentlich befahrbar gewesen. Weik: „Aber als es um 11 Uhr anfing zu regnen, waren speziell diese Kopfsteinpflaster glatt wie mit Schmierseife behandelt. Es gab fast kein Vorwärtskommen. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, diese 200 Kilometer schaffe ich nie.“

 

Starker Wind: Anschließend sei richtiger rauer Asphalt gekommen, normalerweise eine Qual; die Vibration in den Füßen werde so stark, dass man kaum die Kraft auf die Rollen bringen kann, meint der Langenfelder. „Aber nach dem nassen Kopfsteinpflaster war das trotzdem eine Erlösung.“, so Weik. Auch der Friesland obligatorisch starke Wind habe die Teilnehmer den ganzen Tag über beeinträchtigt. Da der Läuferpulk immer zusammenblieb, versteckte sich einer hinter dem anderen, um möglichst wenig Wind abzubekommen. 43 Läufer mussten vorzeitig aufgeben und wurden von einem Omnibus, der im Tross mit fuhr, aufgenommen. Bernhard Weik schwärmt von seinem Rollschuhlauf und von der niederländischen Landschaft: „Die friesische Idylle – mit landwirtschaftlichen Gehöften, Reetdach gedeckt und von Kanälen umgeben, sind unvergessliche Eindrücke. Der schnelle Lauf der Windmühlen zeigte uns die tatsächlich vorhandene Windstärke. Die Viehherden zwischen den kleinen Kanälen wunderten sich über so eine ungewöhnliche Sportart.“

 

Gastfreundschaft: Das Rollschuhlaufen (auf Holländisch: Skeelen) ist zwar eine eigene Sportart, aber in diesem Zusammenhang wird es nur als Training für das Eisschnelllaufen für den Winter benutzt. Die Bewegungen und der Muskeleinsatz sind identisch. Weik lobte die Gastfreundschaft und die Sportlichkeit der holländischen Sportkameraden, die ihn als einzigen Deutschen, der je diese Strecke gefahren ist, hervorragend aufgenommen hatten. Weik: „Es gab kein Gegeneinander, sondern nur ein Miteinander. Es ist kein Wettkampf. Der ganze Pulk fährt immer geschlossen zusammen. Wenn einer nicht mehr weiterkann, wird er gefahren“. Nach neun Stunden und 56 Minuten reiner Fahrtzeit bzw. elf Stunden „auf Tour“ waren alle glücklich im Ziel. Bernhard Weik zum Abschluss der alternativen Elfstedentocht: „200 Kilometer bei Regen, starkem Wind, bei Kopfsteinpflaster, bei verschmierten Wegen und Eisenbahnübergängen, und bei Gelenkschmerzen, machte diese Tour erst zu einem Abenteuer, das nur mit viel Enthusiasmus zu bewältigen war."