S a h a r a – D u r c h q u e r u n g Tipps für Wüstentrips

Die Wüste beginnt:

Mein erster Gang gilt dem Markt, den ich  durch die enge, aber mit Menschen und Eseln vollgestopfte „Hauptgeschäftsstraße“ erreiche. Getrennt nach Warengruppen, reiht sich Laden an Laden unter strahlend blauem, zum Teil durch Planen und Matten abgeschirmten Himmel. Hier die Metzger, dort die Gemüse- und Obststände, die Geschäfte für Haushaltsartikel, Textilien, Lederwaren, Schmiedearbeiten und Andenken, eine Bücherei mit Büchern zur sexuellen Aufklärung, eine Apotheke mit dem Zeichen der Farbwerke Hoechst, Friseure, Seifengeschäfte mit Colgate, Signal-Extra und natürlich – mit Omo und oft auch Persil. „Attention, attention“ ist wohl das Wort, das sich dem Ohr am stärksten einprägt. Die Esel und ihre Treiber oder Reiter bahnen sich ihren Weg durch das Auf und Ab der Menschen, die Esel geschirrt mit großen Tragetaschen und beladen mit Salz, Mehl, Melonen und Datteln, Geschirr und Textilien. Erstaunlich die Leichtfüßigkeit, mit der diese kleinen Grautiere unermüdlich ihre Lasten tragen. Halbkugelförmige, poröse Lederbehälter, mit kühlem Wasser gefüllt, hängen von vielen Läden und ermuntern zu einem Trunk und damit zum Verweilen.

Die Sonne steht knapp über dem Horizont. Die Dünen gegenüber, gestern abend in strahlendes Orange getaucht, werfen lange Schatten und lassen so ihre Struktur deutlich erkennen. Die Farbtöne wechseln in wenigen Minuten von unwirklichen Grautönen mit einem Stich ins Oliv-Grün zu einem Hauch von warmen Lila. Doch das Grau und die gespenstisch anmutenden Schatten bleiben noch dominant.

Die Piste ist mehr als nur ein straßentechnischer Begriff. Piste ist nicht nur ein zumeist durch Steinpyramiden, Fässer, Stangen oder auch nur Radspuren gekennzeichneter, unbefestigter Streifen Land, manchmal nur wagenbreit, aber auch von einer Breite bis zu Hunderten von Metern, ein Streifen Land, den die Räder ungezählter Fahrzeuge gezeichnet haben. Piste bedeutet aber auch Abenteuer, glutheiße Sonne, Sandsturm, gespannte Aufmerksamkeit und Müdigkeit, Hoffen und Bangen, gebrochene Achsen und geplatzte Reifen. Was wird sie uns bescheren ? Zunächst nichts von Bedeutung. Wellige Fahrbahn, natürlich. Tempo 50 – 60 als Folge. Die Erschütterungen im Wagen bleiben erträglich. Steine liegen im Wege und zwingen zu ständiger Konzentration. Die Fahrbahn wird welliger, die Stöße im Wagen heftiger. Die „Wellblech“ – Piste ist erreicht. Wellblech – Piste ? Nun, das ist ein euphorischer Name, den sich nur ein Optimist ausgedacht haben kann, um eine Piste zu charakterisieren, die – ähnlich dem Wellblech – in nahezu gleichbleibendem Abstand quer zur Fahrbahn Erhöhungen und Vertiefungen aufweist. Abstand von Tal zu Tal – und da liegt der Unterschied zum Wellblech – etwa 80 cm. Dieser Abstand reicht aus, jedes Rad in jedes Tal poltern zu lassen, rund 600 mal pro Minute bei Tempo 30. Was diese Schwingungsfrequenz, die durch ihre Gleichmäßigkeit noch verstärkt wird, bei einer Höhendifferenz von etwa 7 cm für das Fahrzeug bedeutet, kann nur ermessen, wer die harten Stöße und das Rütteln erlebt und gefühlt hat. Man wartet förmlich auf den Augenblick, in dem etwas in die Brüche geht. Mögliche Konsequenz: noch langsamer fahren, um die Frequenz zu senken, oder schneller, viel schneller. Die Räder berühren dann nur noch die Wellenkämme. Bei Tempo 60 und darüber lässt das Rütteln und Stoßen fühlbar nach. Doch wehe dem, der aus dieser oder einer noch höheren Geschwindigkeit bremsen muss. Der Wagen bremst zunächst nur auf den Wellenkämmen – das verlängert den Bremsweg erheblich – und schlägt danach in jedes Wellental mit umso größerer Wucht.

Man muss natürlich nicht auf der Piste fahren. Daneben ist zumeist genügend Platz, oft mit einem Dutzend nebeneinander verlaufender Fahrzeugspuren übersät. Dort hat sich noch kein „Wellblech“ gebildet. Das fahren ist daher neben der Piste sehr viel angenehmer, weicher, aber auch gefährlicher. Große und kleine Steinbrocken, grabenartige Vertiefungen, oft schroff abfallend und nur aus nächster Entfernung zu erkennen, bringen ein zusätzliches Risiko. Das führt zu einem ständigen Wechsel zwischen Piste und Nebenspur.