via Dolorosa, der Leidensweg Christi

Die Via Dolorosa verläuft nur ungefähr wie damals, liegt erheblich tiefer als die heutige Straße. Die erste Station aus praktischen Erwägungen in den Hof der heutigen Al-Oma riye-Medrese, d. h Koranschule gelegt. Es gehört zum Gebiet der Antonia-Festung. Hier wurde Jesus vermutlich von Pilatus verhört, doch verurteilt wurde Jesus von Pontius-Pilatus auf dem Palasthof der Antonia Festung, dem Lithos trotos. Von hier aus finden am Karfreitag die Prozessionen zur Grabeskirche statt. Im Vordergrund lehnt ein Kreuz an der Mauert dieses wird durch die Straßen getragen. Diese Aufnahme wurde am Karfreitag etwa um 9  Uhr  gemacht. Hier sieht man noch nicht viel von dem Besucherstrom, der am Karfreitag Jerusalem bevölkert. Dieses Steinpflaster, Lithos trotos genannt ist der Ort, an dem Jesus verurteilt wurde. Darüber ist die Kirche der Schwestern Zion erbaut. Auf den Pflastersteinen sieht man noch die Einritzungen der Würfelspiele der römischen Soldaten. Hier schrien die Juden: "Wenn du diesen freigibst, bist du kein Freund des Kaisers, denn jeder der sich zum König macht widersetzt sich dem Kaiser. Hier gab er Jesus zur Kreuzigung frei.

Die zweite Station befindet sich vor dem Eingang zum Franziskanerkonvent mit seinen zwei Kapellen. Hier die Geißelungskapelle. Sie wurde 1927 von den Franziskanern neu erbaut.

In der Urteilskapelle werden auch noch einige Steine des Lithos trotos gezeigt.

Jesus fällt zum ersten Mal unter Kreuz, ist die 3. Station. Es ist eine kleine polnische Kapelle an der Salomon-Straße. Dahinter befindet sich eine armenische katholische Kirche, Dort wurde im Kellergeschoß auch die 3. Station gezeigt. Dieser Zwiespalt zwischen tatsächlichem Ort und dem heutigen verehrten ist öfters sehr groß. Das hängt sehr viel damit zusammen, dass Jerusalem oft zerstört wurde, neu aufgebaut und dass es von Juden und Moslem bewohnt war, die wenig von Jesus, seinem Leidensweg und Sterben wissen wollten, somit auch solchen historischen Orten keine Bedeutung zumaßen.

Die IV. Station. Jesus begegnet seiner Mutter. Das Relief über dem Eingang stammt von dem polnischen Bildhauer Zielinski. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Bevölkerungsdichte in den engen Straßen und Gassen noch erträglich.

Als es aber bei der 8. Station so eng und das Gedränge immer größer wurde, gaben wir an diesem Tage auf und gingen auf den Ölberg. Hier begegnen sich zwei Glaubensrichtungen, insgesamt sind es 13 verschiedene Glaubensrichtungen in Jerusalem. Die einen trugen ein schweres Kreuz, die anderen einen Sarg als Gedenken an den Tod Jesu. Es wurde heftig disputiert, wer nun den Weg räumen soll. Wir glaubten schon, es artet in einen heftigen Streit aus.
Nach dieser Station ging es in die Basarstraße, also in die Hauptgeschäftsstraße der Stadt. Wir wurden nur noch vorwärts gestoßen. Es ist zwar erhebend, am Karfreitag in den Mauern Jerusalems zu weilen; doch wenn man Jerusalem gründlich kennenlernen will ist es nicht ratsam, den Besuch über die Osterfeiertage vorzunehmen.

Die Grabeskirche ist der Mittelpunkt der ganzen Christenheit. Sie beinhaltet nicht nur das Grab Christi, sondern auch Golgatha, die Schädelstätte, wo Jesus den Kreuzestot starb.
Die Grabeskirche ist ein stilloser Bau. Das Gerüst am Eingang ist zur Abstützung der Mauer angebracht worden. Um den Baustil und die inneren Verhältnisse verstehen zu können, muss man die Geschichte dieser Kirche kennen. Die Geschichte der Grabeskirche begann im Jahre 325, als Helena, die Mutter Konstantin d. Großen Jerusalem besuchte. Helena veranlasste Ihren Sohn, umfangreiche Grabungen vorzunehmen. Golgatha und das Christusgrab wurden fast unversehrt vorgefunden. Vom Jahre 326 – 335 wurde die erste Grabeskirche gebaut. Im Jahre 614 wurde diese von den Persern zerstört. Schon 629 wurde sie von den Griechisch-Orthodoxen unter Abt Modestos wiederaufgebaut. 1009 wurde sie von dem Fatimiden Kalifen El-Hakem völlig zerstört.

1048 wurde die 3. Kirche vom byzantinischen Kaiser Konstantin Monomachos vollendet; diesen Bau fanden die Kreuzfahrer vor als sie am 15. Juli 1099 die Grabeskirche erobern konnten. Sie errichteten neben der Rotunde eine romanische Kirche. 1808 zerstörte eine Feuersbrunst große Teile der Kirche. Sie wurde dann von den verschiedenen Religionsgemeinschaften in verschieden Baustilen aufgebaut.

Die inneren Verhältnisse sind noch verwickelter. Insgesamt sind 6 Religionsgemeinschaften vertreten.
Lateiner, Griechische-Orthodoxen, Armenier, Kopten, Syrer und Abessinier. Gemeinschaftlicher Besitz ist das Christusgrab mit Vorraum und Grabeskammer und der Salbungsstein. Dadurch, dass der Besitzer öfters gewechselt hat, hat jede Religionsgemeinschaft ihren Anspruch angemeldet. Die Besitzverhältnisse wurden im Jahre 1852 durch einen Status quo schriftlich festgelegt. Dieser besteht im Wesentlichen heute noch.

Nach dem Eingang, links der Platz des moslemischen Wächters. Er ist deshalb ausgewählt worden, weil er den 6 Religionsgemeinschaften gegenüber neutral ist. Er öffnet und schließt die Grabeskirche. Dieses Amt erbt sich schon seit Jahrhunderten in zwei Familien weiter. Auf dem Salbungsstein soll Jesus einbalsamiert worden sein. Der jetzig vorhandene Stein stammt aber aus d. Jahre 1810. Rechts gehen die Stufen zum etwa 5m höher gelegenen Kalvarienberg hinauf. Es ist eine zweischiffige Kapelle. Die Kapelle der hl. Helena gehört den Armeniern. Von hier aus führt die Treppe zur Kreuzauffindungskapelle. In der Mitte das Katholikon gehört den Griechisch-Orthodoxen. Weiter unten auf dem Bild in der Rotunde, das Christusgrab.

Der Kreuzannagelungsaltar befindet sich auf dem Kalvarienberg. In der zweischiffigen Kapelle, der rechte Altar. Dazwischen links nur wenig zu sehen der Sabbat-Mater-Altar. Hier soll nach der Überlieferung Maria während des Todes ihres Sohnes gestanden haben.

Hier sprach Jesus seine letzten Worte: „Es ist vollbracht.“
Der Kreuzigungsaltar gehört den Griechen. Er ist mit vielen Lampen und lebensgroßen Ikonen versehen. Unter dem Altar sieht man das Loch, wo das Kreuz Christi gestanden haben soll. Links und rechts deuten zwei schwarze Scheiben an, wo die Kreuze der Schächer standen. Rechts dahinter war die Felsspalte zu sehen, die sich nach dem Tode Jesu geöffnet hat.

Die Kapelle der hl. Helena wurde zum Andenken an die Ausgrabungen errichtet. Hier soll die Kaiserinmutter in einer Nische die Ausgrabungen beobachtet haben, die zur Auffindung des Kreuzes Christi führten. Den Altar stiftete Maximilian von Österreich, der spätere Kaiser Mexikos.

Das Katholikon ist die Hauptkirche der Griechisch-Orthodoxen. Sie befindet sich an der Stelle an der die Kreuzfahrer ihre Kirche bauten. Diese Kirche ist von allen am größten - in der Grabeskirche. Links im Mittelpunkt wird der Nabel der Welt gezeigt. Hier soll die Mitte zwischen Golgatha und dem Christusgrab sein.

In der Franziskaner Kirche steht auf dem rechten Altar eine Säule. An dieser soll Jesus gegeißelt worden sein. Seither wird sie die Geißelungssäule genannt. Von den Franziskanern werden die Heiligen Stätten, soweit sie den Lateinern gehören, verwaltet.

Vor dem Christusgrab in der Rotunde befindet sich der lateinische Chor mit Altar. Hier wurde gerade eine hl. Messe gefeiert, bei der die Kommunion ausgeteilt wurde. Hinter dem Altar betritt man den Vorraum des Grabes.

Die Engelskapelle. Hier wird ein Teil eines Steines gezeigt, auf dem der Engel bei der Auferstehung Christi gesessen haben soll. Die niedrige Tür, die man nur gebückt durchschreiten kann, führt in die eigentliche Grabeskammer mit der 14. Station des Kreuzweges. Am Karsamstag legt der griechisch-orthodoxe Patriarch Gewand und Krone an und betritt die am Karfreitag versiegelte Engelskapelle und entzündet das Heilige Feuer. Der Rauch dringt durch zwei Löcher in den Seitenwänden der Engelskapelle in die Rotunde hinaus.

Das Christusgrab befindet sich unter der Marmorplatte auf der die Leuchter stehen. Diese Marmorplatte war nicht damit gemeint als die Frauen Maria Magdalena, Maria, die Mutter des Jakobus und Salome zum Grabe gingen, als sie sagten: „Wer wird uns wohl den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen?“ Dieser als sehr groß bezeichnete Stein war an der Tür zum Vorraum. Wir sahen an einem anderen Grab aus der Zeit Christi, wie so ein Stein beschaffen war. Er war rund, im Durchmesser je nach Höhe des Grabeseinganges verschieden. Er wurde in einer Rinne vor die Tür des Grabes gewälzt. Dieses Bild beschließt den Besuch in der Grabeskirche.