Lass doch der Jugend ihren Lauf

Olympische Spiele in Rom 1960

Hoffnung, Freude, Erwartung

Diese drei  Begriffe „ Was erfüllt sich?“

Freitag 19.8.1960 13.30 Uhr ab Lippach - Km Stand 6848. Ellwangen Rosa eingeladen 14.15 Uhr Aalen: Verabschiedung von Maria und Erika.

Start ab Aalen zur „großen Fahrt“. Nein sie war noch größer denn die erste Reparatur hatten wir schon kurz nach Aalen. Schraube verloren. Aber dann, dann ging es endgültig los. Es war was los und zwar schon in Ulm. Man kann es auch so bezeichnen, es war was leer. Und zwar das Kühlwasser. Der Wagen rauchte, rauchte und stank. Man glaubte die erste Höllenmaschine sei auf Probefahrt. Nächste Haltestelle Großreparaturwerkstätte in Neu-Ulm.

Ab 20.00 Uhr zerlegen des Motors in seine Einzelteile. 24.00 Uhr Zylinderkopfdichtung abgeschlossen montiert. 0.30 Uhr Weiterfahrt in Richtung Meßkirch . Von 1.30 – 4.30 schlafen im Auto, sitzend. 5.30 Ankunft in Meßkirch bei Fam. Rockers. Kaffeetrinken, Ein Glas Wein und herzliche Unterhaltung. Lobeshymnen auf unser Weltraumfahrzeug. Einwandfreies Fahren. 8.30 Uhr Weiterfahrt in Richtung Stockach, herrlichstes Wetter. Beste Laune. Was bringen uns die nächsten KM? Sie waren toll, toller, am tollsten. Reparatur der Hupe ( 9.30 – 12.Uhr in Singen). Dieses Wort Reparatur kennen wir zur Genüge. Dem „Alten“ muss man das schon verzeihen. Weiterfahrt 12 Uhr. „Ein toller Wagen“. 80 – 90 – Kilometer je Stunde  aber er bringt sie ganz schön, die 60 Kilometer je Stunde.  Fahrt über Schaffhausen (Wasserfall) nach Zürich. KM Stand 7146 bei Vesperpause hinter Schaffhausen. Guten Appetit bei Brot, Butter, Käse, Fleisch, Tomatensalat.

Rosl als Köchin war prima, 15 Uhr  Weiterfahrt nach Zürich. Herrliches Wetter (20 Liter getankt).

Gute Fahrt.

Es war nicht nur eine gute  - sondern eine wundervolle Fahrt. Vorbei an Zürich - See (besichtigt) dann Fahrt nach Zug, Zuger See, Vierwaldstätter See. Herrliche Landschaft viel Verkehr. Uns stand eine herrliche aber schwierige Strecke bevor. Ja, Achsenstraße. Was sind Kurven? Ich kann jetzt sagen was Kurven sind. Eine rasend aneinandergereihte Bewegung am Lenkrad. Ankunft 19 Uhr in Andermatt. Das große Fragezeichen: Zeltbau ?? Keine Gebrauchsanweisung, was an verschiedenen Versuchen scheiterte - geht nicht! Die Entdeckung: wie haben es andere? Ach so - so wird es auch gemacht. Und es ging. 20 Uhr Haus fertig. Einzug mit Einzugsschmaus. Brot, Butter,   Käse, Schinkenwurst, Tomatensalat und Tee. Ja wo hernehmen und nicht stehlen? Ach so, wir haben ja auch einen Kocher. Aber er will nicht in Brand gehen. Wie geht das? Ach Gebrauchsanweisung! Noch mal probiert, da steht das ganze Zeug in Flammen. Benzin verschüttet. Aber am Schluss funktioniert er und der Tee ist fertig. 21.00 Uhr einschlafen, einmal erwacht wegen Kälte. Morgens viel Nebel dann bei Abfahrt 8.30 herrlicher Sonnenschein. Rosa beklagt sich, zu viel Arbeit beim Zelten. Ihr Grundsatz: reich werden und im Hotel übernachten. Nun kommt unser Freund Gotthardt, ob er uns freundlich gestimmt ist???  Gotthard ist unser bester Freund. Ich sitze hier am Strand und schreibe - was soll ich schreiben, was mich bewegt und was ich sehe. Halten wir den Anschluss bei unserem Freund den wir gestern bezwungen haben. Ich komm´ nicht mehr zum Schreiben, deshalb muss ich das nachholen.

21.8.60

Start 8.30 von Andermatt. Wir fuhren los und warteten immer auf den Gotthardt aber er kam und kam nicht. Als wir glaubten den höchsten Punkt eines Berges erreicht zu haben steigen wir einmal aus dem Auto und betrachten die Gegend. Es war sehr frisch, fast kalt. Nun ging es bergab. Eine ganz tolle Serpentinenstraße. Wir wollten noch eine Aufnahme, dann ging es weiter. Als wir unten im Tal ankamen, merkten wir erst, dass wir den Gotthardt schon hinter uns hatten. Gott sei Dank. Aber es ging einwandfrei gut. In Aviolo besuchten wir den Gottesdienst. Er war genauso wie bei uns, nur das nachbeten in italienisch haben wir natürlich nicht verstanden. Nun kam eine weite Strecke für uns. Durch herrliche Landschaften, Berge und Seen ging es über Biasce, Belinzona und Lugano . Außerhalb von Lugano machten wir Mittag ( 13– 14.30 Uhr). Es schmeckte wie immer prima. Beutelsuppe, Gurke, Büchsenwurst, Brot und zu trinken Tee. Weiterfahrt über Varese nach Milano. Von 16.30 – 19.00 suchen nach Zeltplatz. Canpicio? – in diese Richtung, also gut, dann wieder Canpicio? – in diese Richtung und so zwei Stunden. Als wir endlich den Zeltplatz hatten, waren wir restlos am Boden zerstört. Wieder feudales Abendessen. Abends etwas ausgegangen und einen Schoppen Wein getrunken. Nachts gut geschlafen.

22.8.60

6 Uhr Wecker- wir nehmen uns vor  viel zu fahren, aber es geht nicht immer wie man es sich wünscht denn wenn eine so schöne Stadt kommt wie Genua kann man eben nicht weiterfahren ohne einen Blick genossen zu haben. Nun sind wir in Levarito haben soeben etwas gegessen, ausgeruht. Wollen heute noch 200 Km zurücklegen. Jetzt ist es 15.45 Uhr, hoffentlich klappt es!

Es hat geklappt und doch nicht. Mit dem Auto hat es geklappt, mit den  Kurven  nicht ganz. Wir fahren nach dem Essen  um 15.30 Uhr los. Uns erwartet eine gemeine Strecke, bergauf, bergab dazu Kurven am laufenden Band. Wir glaubten die Stadt Les Pezia nicht mehr erreichen zu können. Wagen läuft einwandfrei, wir befürchten Reifenwechsel. Aber es klappt dann doch. Auf der Strecke mussten wir unseren letzten Kanister Diesel voll opfern. Aber wir brauchen wenig Sprit. Als wir etwa um 18 Uhr in Las Pezia ans Meer kamen, staunten und wunderten wir uns wieder wie schön doch das Meer und sein Strand ist. Eine tolle Strecke von La Spezia bis Marina di Massa. Immer am Meer entlang, immer Badestrand, Palmen und herrliche Blumenanlagen (gefahren wie de Henker ). Um 19.30 bezogen wir Quartier in Marina di Massa, herrlicher Zeltplatz. Abendbrot: Tee, Brot Blutwurst mit Eier. Eine halbe Stunde schwimmen. 21.30 schlafen. Gute Nacht.

23.8.60

Guten Morgen um 4.15 Uhr - Antritt der Fahrt um 5 Uhr nach Pisa. Herrliche Stadt, Pisa und Turin dann Fahrt durch eine etwas öde Landschaft. Etwas Wein - ganz wenig Obst, mageres Land. 9.00 Uhr Frühstück bis 10.00. Nun Weiterfahrt unserem Ziel zu, Km Stand 7854, wir haben noch 250 Km vor uns. Nun geht` s los! Wir haben sie hinter uns. Gott sei Dank. Wer behauptet Italien sei schön, hat sich geirrt. Das einzig Gute an Italien - ist die Sonne, sonst aber auch gar nichts. Die Strecke von Pisa am Meer entlang ist öde, langweilig und karg. Die Sonne brennt den ganzen Tag erbärmlich auf die Landschaft nieder. Alles ist ausgedörrt und trocken. Es wächst: Gerste, Kartoffeln, Rüben (aber klein ) etwas Wein, Mais und viel Unkraut. Der Boden wird mit einer Raupe und Einschar-Pflug ½ Meter tief umgegraben. Es gibt Stücke wie junge Felsen. Wie soll da jemals wieder einmal etwas wachsen? Aber ich glaube die haben Hoffnungen, dass da nächstes Jahr einmal etwas wächst. Gegessen haben wir an diesem Tag nicht viel, wir sind nur gefahren. Wir mit unseren schlechten Reifen hatten nichts, aber einem Schweizer haben wir geholfen. Dem hat es einen neuen Reifen zerrissen. Pech gehabt. Nachmittags hatten wir nur Halt gemacht und etwas getrunken. Die Kilometer Zahl schrumpfte mit jedem Kilometer  zusammen. 150, 149, 148. Bei dieser Strecke war die einzige Abwechselung die Km Steine mit jedes Mal einer minderen Km Zahl. Das war erfreulich.  Um 15 Uhr hatten wir es geschafft. Wir hatten Rom in Sicht, nun waren wir gerettet, noch nicht ganz. Denn wir hatten noch keinen Zeltplatz. Aber das ging voll schnell. 19.00 bezogen wir einen tollen Zeltplatz ( iele Deutsche). Das ist erfreulich. Abendessen und Postkarten schreiben, dann Bett. Gute Laune, gute Gesundheit. Rosa fühlt sich nicht wie eine Römerin. Sie ist ganz niedergeschlagen, natürlich von der Fahrt. Nun wünsch ich in Rom: Gute Nacht.

24.8.60

An diesem Tag gilt der Grundsatz: Frechheit siegt . Wir sind heute spät erwacht (8 Uhr) und spät aufgestanden.um 9.Uhr. Unsere Glieder sind ganz bleiern. Kaffeetrinken dann fertig machen zur Stadtbesichtigung. 11.00 Abfahrt zur Stadt -10 Kilometer. Zuerst haben wir ausgekundschaftet wo die Sportstadien liegen. Wir fanden sie verhältnismäßig schnell. Von außen sehen die Sportstätten gut aus. Ob sie tatsächlich gut sind wird sich ja zeigen. Anschließend fuhren wir zum Vatikan. Dorthin war es nicht weit und wir konnten noch einen Apia trinken. Es kostete 180 Lire. 30 Lire billiger als auf unserem Zeltplatz. Inhalt: Fruchtsaft 1 Liter umgerechnet fast so teuer wie bei uns das Bier -  ja das Bier, es kostet eine ¾ l Flasche 210 Lire ~ 1,45 DM. Wir waren um 14.30 Uhr am Petersplatz, besuchten den Peters-Dom.

Die erste Peterskirche wurde im Jahre 326 eingeweiht. 1506 wurde der Grundstein für den jetzigen Dom gelegt. Die Architekten waren: Bramante,Raffael, Michelangelo, Sangallo, Giocondo da Verona.

Um den Neubau zu finanzieren führte Leo X den Ablasshandel ein (Martin Luther bekämpfte den Ablasshandel ab 1517). 1590 wurde der Petersdom beendet. 174 J. Bauzeit. 1626 geänderte Kirche eingeweiht. Eingang: rechts Konstantin d. Gr. von Bernini , links: Karl d. Gr. von Cornacchini, oben Mosaik  „La Navicella“ v. Giottos aus der alten Peterskirche.,

Rechte Tür 1950 zugemauert heiliges Jahr. Mittelportal rote Porphyoscheiben (purpurfarben) auf der Karl d. Gr. 800 zum Kaiser gekrönt wurde. Rechts die Capelle della Picata mit Pieta v. Michelangelo, davon rechts, eine weiße Marmorsäule an die sich Jesus lehnte in Jerusalem;

Kuppel – Höhe 119 m, Reliquien in den Logien beim Hauptaltar, Lanzenspitze, Schweißtuch, Splitter vom Kreuz, linker Pfeiler , Bronzenes Sitzbild des heiligen Petrus.

Wir mussten dann bis 17.30 warten bis der Papst erschien. Wir waren zuerst die Ersten bei den Letzten,  am Schluss war ich der 1. bei den Ersten.

Dann wie die Überschrift schon sagt, Frechheit ist alles, so handelte ich. Wir bekamen durch Zufall eine Platzkarte für Nr. 2. Dann ging ich an den Ausgang und wartete bis ein Sportler kam. Ich bat ihn um seine grüne Karte, er gab sie mir. Nun war ich schon bei 50 m angelangt. Nun war Mut an erste Stelle gerückt. Ich stellte meinen Fotoapparat genau ein. Dann sprang ich los. Die Wächter hinter mir schrien alle. Das störte mich aber keineswegs. Ich lief die Treppe hoch und knipste aus 40 m Entfernung. Am Schluss als der Papst seine Ansprache gehalten hatte, in Latein, wurde es noch in 14 Sprachen übersetzt. Darunter auch in Russisch, Chinesisch, Japanisch und die wichtigsten Sprachen sowieso. Er gab am Schluss den Segen. Dann marschierte er die Treppe herab. Und ich war schon in seiner Nähe. Bin gespannt was meine Aufnahmen werden. Abends fuhren wir nach 1 ½ Std. dauernden Audienz zu unserem Zelt zurück. Wir bekamen Zuwachs. Wir konnten kaum noch zu unserem Zelt vorfahren. Es sind meistens Deutsche auf dem Zeltplatz aber auch aus allen Ländern. Franzosen sind auch stark vertreten. Nach einem reichlichen Abendessen gingen wir ins Bett. Gute Nacht.

25.8.60

Die Olympiade beginnt. Auch für uns, denn wir standen schon um ½ 8 Uhr auf, eine Leistung, nicht wahr? Wir fuhren in die Stadt, dann zur Eröffnungsfeier. Dieser Tag war anstrengender wie für einen Olympiakämpfer. Dann Colosseum - Besichtigung. Von links nach rechts, von oben nach unten, dann noch die Hitze, da war alles dran. Aber einfach klassisches Rom. Mittags der Höhepunkt der Reise. Mittagstisch mit „Pasta Schutta“. Eine herrliche Mahlzeit und billig. Am Nachmittag besichtigen wir das Forum Romanum. Denkwürdige Stätten. Dann auf ins Stadion. Eine halbe Stunde Wegs für 1 Km mit Wagen. Parken und ins Stadion. Sonne brennt, aber bei Eröffnungsbeginn wirft die Sonne die ersten Schatten und es ist auszuhalten. Die Olympische Fanfare, Aufmarsch der Nationen, Olympisches Feuer, Olympisches Banner und Olympischer Eid, das waren die Hauptmerkmale dieser Veranstaltung. 18.30 Uhr Ausmarsch der Nationen. Olympiade ist eröffnet.

Olympischer Eid: „Wir schwören, dass wir an den Olympischen Spielen als ehrenwerte Kämpfer teilnehmen, die Regeln der Spiele achten und uns bemühen werden, ritterliche Gesinnung zu zeigen, zur Ehre unseres Vaterlandes und zum Ruhme des Sports.“

26.8.60

Hunger und Schlafen sind unsere Hauptbedürfnisse die gedeckt werden müssen. Aber wie, wenn wir schon um 8 Uhr -  35 Km vor Rom sein sollen. Wenn man keinen Benzin und Zucker hat. Also ungenügend Schlaf und nichts zu essen. Wir kauften Trauben und etwas Keks, das war um 9 Uhr unser Frühstück. Gelassenheit war unsere erste Disziplin. Wir gingen  die 4,8 Km Strecke ab. Ich kann nur sagen, sehr schwierig und das mit fremden Pferden. Eine tolle Leistung. Die deutschen waren im Mittelfeld zu finden. Anschließend Fahrt zum Hockey. Schöner Sport, abends Schwimmen. 100 m Kraul (Freistil), Wasserball ( Italien gegen Japan ). 23.30 Uhr Hunger und Schlaf, Rosa leidet stark- hoffentlich bringe ich sie noch ins Zelt.

27.8.60

9.00 Wecken, aufstehen, Essen. Dann nach Ostia zum Baden. Ganz toll, Wasser, Wellen, Badestrandbank (Sand). Wir haben uns bis 15.00 im Wasser getummelt, wollten gar nicht mehr zurückgehen. 16 Uhr Essen und in die Stadt fahren. Um 18.30 gab es einen Pumps-  Stoßstange eingedrückt. Karambolage zwischen Fiat und Mercedes. Alles noch gut verlaufen, nicht mal Tote. Abends Schwimmstadion. Wir hatten die Eintrittskarten von Morgens! Viel Reden hin und her am Schluss kamen wir doch rein, Gott sei Dank. Dann 100 m Freistil Finale Männer und 200 m Brustschwimmen - Damen Finale - Urselmann: Silber, Göbel: Bronze. Erfolg für Deutschland. Anschließend Wasserball. Dann um 0.30 Uhr  Sportpalast Besichtigung. Einen Boxkampf haben wir noch miterlebt. Ganz toller Bau, der Sportpalast. Dann tiefer Schlaf, gute Nacht.

28.8.60

Sonntag früh leisteten wir uns wieder einmal auszuschlafen. ½ 12 Uhr Hl. Messe besucht in San Maria Maggiore. Anschließend etwas Früchte, Wurst, Wecken und etwas zu trinken gekauft. Dann im Wagen diese Sachen gegessen. Wärme, Müdigkeit und sonstige Einflüsse strömen auf uns ein. Rosa ist sehr gereizt. Bei dem geringsten Anlass macht sie ein komisches Gesicht. Nachmittags machten wir mit dem Deutschen Reisebüro in Rom eine Stadtrundfahrt. Es begann um 14.30 Uhr , führte von Maria Maggiore über Colosseum zu den Katakomben. Es war nur ein kleiner Querschnitt von Rom. Ein klein wenig von so vielem. Man kann einfach nicht alles anschauen. Man müsste Wochen verwenden unter genauester Führung. Abends gingen wir ganz groß aus. Ein Lokal: Von außen wenig zu sehen, das wird billig sein! Als wir reinkamen staunten und wunderten wir uns, denn ein herrliches Lokal. Wir verlangten die Speisekarte und die brachten uns eine deutsche. Nun bestellten wir ganz feudal. Ich hatte Rindskotelett mit Eier und Pilzen, dazu Tomatensalat. Rosa bestellte ¼ Huhn mit Tomatensalat. Dazu je ¼ Wein und Eiswasser. Es schmeckte uns herrlich. Wir dachten, uns wird die Rechnung auch herrlich schmecken. Aber nicht mal so schlimm. Denn 9.- DM pro Person ist in Rom nicht zu viel. Anschließend wollten wir erst noch groß ausgehen, aber nach Besichtigung einiger beleuchteten Sehenswürdigkeiten und einiger Schaufenster übermannte uns die Müdigkeit - wir machten uns auf den Heimweg.

29.8.60

9 Uhr aufstehen, fertigmachen und schwimmen fahren. Was heißt hier fahren. Diese Frage wurde von jemand anderem beantwortet. Wir brauchten nichts zu tun, nur Augen und Ohren zu öffnen. Wir mussten nicht mit Gewalt öffnen, denn sie wurden uns geöffnet. Nach ein paar Km Fahrt, was ist mit dem Motor? Er zuckt nicht mehr? Er stinkt ungeheuer? Was machen? Was tun? Auf einmal blieb er ganz stehen. Fragen über Fragen und wer gibt uns die Antwort? Wir standen ratlos da. Mussten aber etwas unternehmen. Wir telefonierten mit einer Mercedes Werkstatt in Rom. Er sagte er schleppt uns ab. Punkt. Nun Gings los. Berechnen, Kalkulieren und Entscheiden. Reperaturkosten 200.000 Lire ( = 1.200 DM ) , zuviel. Wagen mit der Bahn heim senden 54.000 Lire ( 400.- DM ) dann unsere Fahrt nach Hause 10.000 Lire ( ~ 60.- DM ) pro Person. Wir entscheiden uns für eine Demontage des Motores. Was hat er für eine innerliche Krankheit? Es wird sich zeigen. Es hat sich gezeigt. Die Kurbelwelle war bei einem Zapfen um 1,3 mm ausgelaufen, dazu noch ein Ei. Was war zu machen? Eine neue Kurbelwelle, erfordert neue Kolben, neue Lager und viel Zeit. Gibt es eine Möglichkeit ein Lager zu finden, das diese große Toleranz ausgleicht? Rosa und ich waren nicht nur am tiefsten Tal abgelangt, es war fast tiefer als das tiefste Tal. Wir hatten noch das eine, und das war Hoffnung. Von jetzt ab hieß es per Bus, Untergrundbahn und per Anhalter vorwärts zu kommen. Nun lernten wir erst das Leben in Rom kennen. Denn Hausfrauen, Arbeiter, Kinder, ältere Leute, reiche und arme bekamen wir nun näher zu sehen, bekamen etwas Kontakt und Einsicht. Hier spielt sich erst das Leben ab. Am Montag sahen wir noch abends eine Veranstaltung im Schwimmen. Rückfahrt zum Zeltplatz mit Bus, Untergrundbahn und Anhalter. Dieses Gebiet war für uns neu. Aber als der erste gleich hält ( Ein Schweizer Landsmann), bekamen wir Mut und verlegten uns etwas aufs trampen.

30.8.60

Nun war unsere Aufgabe jeden Tag nach dem Wagen sehen, wie weit, was für ein Erfolg? Der Erfolg war nicht gerade groß, aber wir hofften immer noch. Am Nachmittag fuhren wir mit der Bahn zum Albaner See. Er liegt in Castel Gandolfo, dem Sommersitz des Papstes. Eine herrliche Gegend, ein herrlicher See, ein hübsches Fleckchen Erde. Da würde uns der Sommersitz auch Spaß machen. Es waren Ausscheidungen im Rudern. Die deutschen Boote lagen gut im Rennen. Hoffen wir für den Endlauf. Alles Gute. Die Fahrt nach Rom zurück fanden wir auch. Aber wir geben uns unter einem 180er gar nicht ab. Wir mussten eben sehen wie wir vorwärtskamen. Es ging aber nicht mal schlecht. Es wundert uns, dass die Italiener nachts um 21.00 noch auf offener Straße halten uns mitnehmen, und sehr freundlich sind. In Deutschland wäre so etwas nicht möglich.

31.8.60

Nun war der Tag gekommen, auf den wir uns eigentlich freuten, den Beginn der Leichtathletikkämpfe. Nun war für uns Vormittag und Nachmittag eine Veranstaltung. Heute früh war Ausscheidung in 100 m, Kegelstoßen und Frauen 80 m Hürden. Nachmittag 400 m Hürden Vorlauf, 100 m 800 m V, Kugel Endkampf, 80 m Zwischenlauf, 5.000 Vorlauf. Wenn man überlegt wie hart die Kämpfe sind. Überhaupt zu Beginn, bis der Landesbeste ermittelt ist, dann kommt hier in Rom  der erste Ausscheidungslauf. Die 3 Besten kommen weiter. Dann der nächste Ausscheidungskampf. Die 3 Besten kommen weiter. So geht es bis zum Schluss. Wer dann am Schluss bei den 3 Besten ist, das ist dann wahrlich das Höchste. Nicht nur die andere bezwungen zu haben, sondern die Hitze, die eigenen Nerven, überhaupt sich Selbst. Wenn man bedenkt welche Enthaltungen, Entbehrungen und Kämpfe es gekostet hat, bis man so weit ist.

1.9.60

Beim erwachen war nicht der erste Gedanke der Sport sondern der Wagen. Wir fuhren in die Werkstatt und mussten und entscheiden. Wir entscheiden uns für eine provisorische Reperatur. Nun war der erste Gedanke nicht mehr das Geld, sondern die Zeit. Aber auch in Italien gibt es hilfsbereite und intelligente Leute. Das in einer Person stellte der Meister der Werkstatt Herr LUIGI NEGRINI dar. Ihm habe ich viel zu verdanken. Er setzte sich für uns ungemein stark ein. Das gab uns Hoffnung. Wir besuchten trotzdem die Sportveranstaltungen, denn wir hatten ja schon die Eintrittskarten. Wir fuhren mit einem Sportkollegen vom Zeltplatz immer zwischen Zeltplatz und Stadion. Er war auch schön einmal gefahren zu werden und nicht selbst zu fahren. Heute war folgende Vorentscheidung und Entscheidungen: Hochsprung, 100 Meter, 100 Vorentscheidung, 400 Hürden Zwischenlauf, 800 Z, 80 m Hürden Endlauf, 100 m E, 3.000 m Hindernis Entscheidung. Bei der Olympiade musste man einfach dabei gewesen sein um das zu beurteilen. Was das für eine Spannung ist, am Start zu stehen, auf den Startschuss zu warten und im richtigen Moment das richtige zu tun. Wenn es auch bei jedem Start im Stadion still wird wie in einer Kirche, aber man hört die Spannung knistern. Das bemerkt man am heutigen Tag besonders, als die 100 m Läufer zum Start niederkauerten. Denn es waren schnelle Amerikaner und noch schnellere Europäer am Start. Auf die Plätze - - - fertig - - Frühstart! Diese Aufregung, diese Spannung. Zum 3.ten mal: Auf die Plätze - - - fertig - - - Schuss und? Harry der schnellste Mann der Welt! So still wie das Stadion zu Beginn war, so war es jetzt das Gegenteil an Lautstärke. Harry....Harry....Harry, so schrien nicht nur die 30.000 Deutschen sondern außer den Amerikanern das ganze Stadion. Es heißt was Weltrekordler zu sein, aber Olympiasieger und damit schnellster Mann der Welt zu sein, das ist das Höchste. So groß die Freude beim Gewinner war, so groß die Enttäuschung bei den Verlierern. Aber nur einer kann wirklich der Beste sein.

2.9.60

Der zweitletzte Tag der Olympiade war für uns angebrochen. Wir versuchen den ganzen Tag soviel wie möglich zu sehen, zu hören und mitzuerleben. Zu allem großen der Olympischen Spiele kommen auch die kleinen, oder vielleicht auch doch die großen innerlichen Kämpfe dazu. Vielleicht ist es auch gut, denn ein Sprichwort sagt: „Man erkennt erst das Hohe richtig wenn man das Tiefe gefühlt hat“. Ich glaube das war in den letzten Tagen der Fall. Aber immer wieder kam ein Lichtschimmer der uns Hoffnung auf das „weiter“ gab. Keine Lichtschimmer der Sonne, denn die war sowieso den ganzen Tag über uns und tauchte uns in ungefähr 35° bis 40° Hitze, sondern unser Leid (kein Lloyd ) sondern Mercedes. Wir konnten hoffen. Er wird fertig werden. Wir gingen heute früh nicht ins Stadion sondern erlebten den Strand von Ostia. Auch dieses Gefühl muss man erlebt haben, das weite Meer, die Wellen, den Strand, um es beurteilen zu können. Ich glaube, da könnte man auch einige Tage Urlaub verbringen. Der einzige Nachteil aller schönen Fleckchen Erde auf dieser Welt sind die Menschen. Wo es schön ist, sind viel, viele Menschen. Das ist das schlechte, oder der Minuspol, wenn man so sagen will. Nachmittags fanden wir uns wieder im Stadion ein. Wir sahen herrliche Kämpfe. Wenn man von den Laufwettbewerben zum Weit- oder Hochsprung oder zu den technischen Disziplinen geht, über Überraschungen oder Enttäuschungen, dann ist erst die richtige Stimmung mit der man die Olympischen Tage erleben muss. Denken wir an den „sicheren Sieger“ im Hochsprung Thomas USA. Er springt  ??? Weltrekord und hier, wird er von zwei Russen mit 2,16 m geschlagen. Dreitausendmeter Meister Herrmann Buhl war verdächtig für die „Goldene“, schied aber wegen Unvorsichtigkeit aus, welche Enttäuschung. Eine Erinnerung fürs ganze Leben.

3.9.60

Vormittag ach nein, zuerst aufstehen, dann Kaffee machen, mit was? Natürlich mit Kaffee, Vorrat aufgebraucht. Also kaufen, genauso Brot, Zucker, Butter, Benzin und sonstige Lebensnotwendigen Güter. Als Oberhaupt über ein ganzes Zelt muss man schon Fähigkeiten besitzen, die einem Weltenlenker in nichts nachstanden. Aber meine Wirtschaftsführerin, Sekretärin a. D. ist die ausführende Gewalt. Aber mit Gewalt geht nicht alles, da geht nicht einmal das, dass man ein paar Schuhe in ganz Rom findet. Liegt das nun an den Schuhverkaufsläden oder am Geschmack meiner „Feinschmeckerin“. Ich hab es erraten, es liegt, oder es liegt nicht im Geldbeutel, das Geld. Denn unsere Sorgen sind ab heute nicht das fertig werden des Wagens, sondern das Bezahlen. Der Wagen wird erst ausgeliefert wenn er bezahlt ist. Was nun. Hier heißt es nun: „Hilf´ Dir selbst, dann hilft Dir Gott“. Von zu Hause erwarten wir jede Stunde Geld, aber ich glaube die haben und verlassen. Wo sollen wir dann Hilfe herbekommen? Vom Konsulat? Vergebens! Nur ein ganz geringer Betrag. Das nutzt uns nichts. Aber die Veranstaltungen für Vormittag und Nachmittag lassen wir uns nicht entgehen. Denn wer wollte den Martin Lauer oder Karl Kaufmann, Valentin oder Beruttie nicht sehen. Deswegen waren wir auch im Stadion. Auch an diesem Tag - Enttäuschung für die USA aber auch für die Deutschen. Abends kamen wir erst um 21 Uhr  zum Zeltplatz. Nun musste meine Oberküchenmeisterin mit ihrem Lehrling noch Suppe vorfertigen, Tomatensalat zubereiten und am Schluss natürlich mit Brot, Butter u. Käse essen.

4.9.60

Ruhetag der Olympischen Spiele. Aber einmal heißt es auch aufstehen und wenn es erst um 8 Uhr ist. Dann in Ostia die heilige. Messe besucht, anschließend Baden, herrliches Wasser, Sonne und Laune. Rosa hat Besuch bekommen, sie kam nicht ins Wasser, dafür labt sie sich an der Sonne. Ich habe nur die eine Gewissheit, es wird nicht mehr lange dauern und der Urlaub ist zu Ende. Es war ein Trugschluss, es dauert noch einige Tage. Der Unterschied zwischen Planung und Wirklichkeit: geplant war bis 12Uhr baden. Als wir zum Zeltplatz zurückfuhren war es aber 18 Uhr. Den ganzen Tag wenig gegessen, viel geschwommen, gelaufen und sonst getollt, das gibt Hunger. Deswegen haben wir abends auch kräftig gespeist. Für die Rosa war dann der Tag zu Ende, ich hatte noch viel vor. Ich holte noch unseren Freund ab, unseren Mercedes. Aber vorher mussten wir noch zur Auslösung desselben 120.- DM pumpen. Ein Zeltnachbar hatte soviel Vertrauen und gab uns das Geld. Ich ging in die Werkstatt, legte dem Pförtner 66.280 Lire auf den Tisch und stieg ein. Es war fast ein Wunder, er lief wieder. Nun gondelte ich noch ein wenig kreuz und quer durch Rom, kam an bekannten Straßen und Plätzen vorbei, mehr aber an unbekannten. Ich kenne mich schon fast in Rom aus. Dieser Tag war ein langer Tag für mich, denn um 2 Uhr kam ich ins Bett. Dafür war der Schlaf umso besser.

5.9.60

Montag früh: Arbeiten! Was ist das für ein Wort? Ach! Das hat mit Bewegung zu tun. Wir hatten Bewegung aber nicht in Bopfingen und Ellwangen auf dem Büro, sondern auf dem Zeltplatz. Unser Urlaub wäre schon zu Ende, aber, das große „aber “, wenn alles geklappt hätte. Es hat bis jetzt vieles nicht geklappt. Am Schluss wird alles gut werden. Zuerst warteten wir auf den Wagen, jetzt auf Geld von zu Hause. Sonst können wir nicht fahren. Für das Geld wurde was getan. Ich telegraphierte an meine Bank, sie solle wieder telegraphisch Geld überweisen. Das geschah dann auch. Wir gingen früh in die Stadt. Als wir in die Banco (Bank) di Roma kamen, kam das Geld gerade auch an. Die Freude war groß. Anschließend gingen wir nachmittags ins Stadion. Dort waren noch folgende Kämpfe: Zehnkampf erster Tag und Endlauf. 400 m Zwischenlauf, Semifinale und 200 m Endlauf. Im Großen und Ganzen ein interessanter Tag. Für die Deutschen waren wieder einige Asse dabei, z.B. Martin Lauer, Jutta Heine, Karl Kaufmann. Von diesen konnte man allerhand erwarten. Bei den 400 Metern Läufer klappte es, sie kamen beide in den Endlauf. Bei Jutta Heine reichte es zur Silbermedaille. Was aber war mit Martin Lauer los? Er warf die 1. Hürde, lag etwas zurück, die Amerikaner vor ihm. Dazu fielen noch einige Hürden und am Ziel war er 4.ter. Enttäuschung groß? Oder klein? Man ist eben nicht alle Tage in Weltrekordform. Für ihn blieb die Goldmedaille nur ein Traum. Nun war also die letzte Stunde im Stadion für uns gekommen. Kurz noch eine Überraschung: Es regnet, sogar in Rom. Etwa zwischen 15.00 und 15.30 Uhr regnete es ganz leicht. Abends ~ 19 Uhr  schüttete es wie wenn das Meer über einen stürzen wollte. Wir waren unweit vom Petersdom und wollten kurz noch einmal reinschauen, er wurde aber vor unseren Augen geschlossen. Das war Pech. Aber wir hatten ihn ja schon am 1. Tag gesehen. Wir kauften noch einige Sachen, dann fuhren wir zu unserem Zeltplatz Dort angekommen verschleuderten wir unser Geld. Wir gaben unserem Kameraden seine 120.- DM zurück. Nun blieben uns noch 130.-DM. Von diesen mussten wir unseren Zeltplatz bezahlen. Er kostete etwa 60.- DM. Nun blieben uns noch 70.- DM. Mit 70.- DM nach Deutschland, Benzin, Essen und Andenken. Wie geht das zu? Es geht einfach nicht. Also wurde unser Kamerad wieder angehauen. Diese 100 DM werden uns vielleicht über den Berg helfen. Rosa war es sehr peinlich als sie diese Bitte tun musste. So gedeckt, konnten wir beruhigt einschlafen.

6.9.60

4.30 Uhr Wecken. Alles in Ordnung bringen, dann „Arrivederci Roma “. 7 Uhr  hatten wir Rom hinter uns. Nun ging es mitten durch Italien. Teils schöne Flecken, meistens aber öde Landschaften. Die Erde ist von der Sonne ausgebrannt, meistens Heide, wenig Bäume, wenig fruchtbares Land. Aber dann wurde es lebendiger. Denn es kamen meinem Freund dem Mercedes seine Freunde, die Berge. Aber er wurde auch mit diesen fertig. Denn die Apenninen sind hoch - aber nicht so hoch wie die Alpen. Hier werden Kurven wieder ganz großgeschrieben. Während der Fahrt, vorbei am Lago di Bolsena- See nach Florenz, haben wir immer wieder etwas Nahrung zu uns genommen. In Florenz schauten wir uns ein wenig um. Zuerst die Franziskaner- Kirche St. Croce. Denn der von außen so herrliche Dom. Er ist innen gar nicht so herrlich. Ganz schlicht, einfacher geht’s es wirklich nicht mehr.

 Die tollen Steigungen und Kurven kamen erst jetzt. Nun kam ein weiterer Gast zu uns, die Nacht. Wir mussten die letzten 40 Km bis nach Bologna  bei Nacht fahren. Ein schwerer Wagen vor uns, wir nach. Wir sahen dann immer wenn eine Kurve kam oder wenn er stark abbremsen musste, bremsten wir auch so stark. So kamen wir gegen 19.30 in Bologna an. Wir fanden ganz schnell einen Zeltplatz. Wir waren wieder einmal sehr müde und legten uns früh schlafen. Am Radio hörten wir noch kurz, dass Davis USA und Kaufmann Weltrekord über 400 m (44,9 Sekunden) gelaufen sind, erfreulich - aber nur Silber für Karl Kaufmann.

7.9.60

Der Krug ist erst voll, wenn er überläuft. Unserer kann noch nicht voll gewesen sein, denn heute kam es auch noch mal ganz schön toll. Ich glaube, wenn dieser Ausflug zu Ende ist, haben wir so ziemlich alles mitgemacht was nur ein Normalsterblicher mitmachen kann. Denn Hitze, Kälte, Hunger, Autoreperatur nach 100 Km, dann in Rom Demontage des gesamten Motors, trampen, Geld entleihen, sonstige Notstände und nun noch Krankheit? Was wird noch alles kommen??? Aufstehen 6 Uhr Kaffeetrinken, waschen, alles Quicklebendig. Ja auf einmal, was ist los? Ungeheure Schmerzen im Brustkorb und Rücken. Was ist das? Rosa sagt: “Lungenriss” Die Berge stürzten ein, das Wasser überflutete alles, Donner, Blitz, Geröll, Geschrei, ist nun der Weltuntergang oder der eigene? So krank in Bologna. Was nun? Krankenhaus? Hierbleiben? Ausheilen? Was geschieht mit Rosa? Wagen? Es ist nun alles voller Fragezeichen. Nur das eine wurde beantwortet: das Spital. Dort angekommen wurde genau untersucht, Fieber gemessen, Herz und Lunge getestet und Bettruhe. Was wird weiter? Gott sei Dank, kein Lungenriss, kein Herzfehler. Nun bekamen die Berge wieder Gestalt, das Meer wieder Form und der Himmel wieder sein leuchtendes Antlitz. Aber der Schmerz ist und bleibt genauso stark. Was ist das bloß? Ich liege nun im Spital POLICLINICOsORSO, Zimmer 5, Bett 18 und warte den Bescheid ab was los ist bzw. war. Rosa ist ganz ungeduldig, denn es ist jetzt schon 12.00 und wir haben einen ungeheuren Hunger. Wir könnten schon fast am Gardasee sein, wenn alles normal gelaufen wäre. Aber wir werden auch so dahin kommen, wann ist ungewiss. Als die Zeit der Diagnose gekommen war, es war 14 Uhr, lautete die Diagnose auf starke Erkältung. Gott sei Dank, nur eine Erkältung. Also konnte unsere Reise fortgesetzt werden und die „begehrten“ Km hinter uns gebracht werden, Zuerst betrachteten wir die Stadt, hauptsächlich die Stadtmitte, denn da war die von außen so wunderbare Basilika. Sie war von innen ganz schlicht und einfach. Dann zwei schiefe Türme. Sie haben eine Ausladung von 2 m und 2,5 m. Im Übrigen hat diese Stadt einen wunderbaren Charme. Gegen 16.00 Uhr waren wir außerhalb der Stadt. Nun galt es so schnell wie möglich vorwärts zu kommen. Das taten wir dann auch. Denn unser Wagen lief, er lief sogar noch besser. Wir streiften dann Modena und kamen gegen 17.30 Uhr nach Verona. Wir fuhren gleich weiter an den Gardasee. Es ist schon ein herrlicher See. Eingebettet zwischen steilaufragenden Bergen und herrlicher Landschaft. Wir fuhren am See entlang nach Norden. Etwa 18.45Uhr  senkte sich die Nacht über uns und wir mussten an ein Quartier denken. Heute Nacht nicht im Zelt, wegen Erkältung. Also mieteten wir uns ein Zimmer. In einem Restaurant haben wir zu Abend gegessen. Suppe, Naturschnitzel mit Salat etwa 3,80 DM, wir waren gesättigt und zufrieden. Machten einen kleinen Bummel an den See und durch die Ortschaft. 21 Uhr  fanden wir uns im Bett ein. Schlafen war ja bei uns kein Problem.

8.9.60

6.00 Aufstehen, anziehen, bezahlen (900 Lire für beide = 60 DM ). Dann ohne Frühstück Abfahrt. Unsere Strecke war in der ersten Etappe Kurvenreich und etwas bergig. Als wir nach Bozen kamen, frühstückten wir erst einmal. Dann kam das große Problem. Reiseandenken, für jeden etwas, zu kaufen. Nach langem Suchen fanden wir auch etwas. Aber Rosa fand für ihre Freundin einfach nichts. Ich glaube es geht wie in Rom mit den Schuhen. Bozen ist eine sehr schöne Stadt. Sie hat keinen italienischen Charakter mehr. Es ist ja auch schon Südtirol. Die Amtssprache ist deutsch und italienisch. Wir fanden uns also sehr gut zurecht. Nun kam die herrliche, wunderbare Tiroler Landschaft zum Vorschein. Wir fuhren nicht nach Meran sondern Brixen, Vipiteno über den Brenner nach Innsbruck. Was heißt da über den Brenner? Den Brenner kann man doch nicht als Berg bezeichnen. So etwas war ja für unseren Freund Mercedes ein Kinderspiel. Auf dieser Fahrt - bei Innsbruck - regnete es ein wenig und wir konnten die Berge nicht schauen, denn der Nebel und Regen hingen tief ins Tal. Als wir durch Mittenwald kamen hatten die Leute alle Winterkleider Mäntel und Handschuhe an. Als wir etwas Aufenthalt machten spürten wir es selbst. Vom heißen Süden nun in ein so kaltes Klima. Wir kamen uns vor wie wenn wir am Nordpol weilen würden. Auf der Straße zwischen Garmisch und Murnau merkten wir, dass uns ein 220er Mercedes überholt, wir ließen ihm diese Freude. Aber sie dauerte nicht lange da schnappten wir ihn wieder, ich glaube er ärgerte sich ein wenig, von so einem alten Veteranen überholt zu werden. Aber wir zeigten ihm nur, dass sein älterer Bruder auch noch in Form ist. Über Weilheim, Lauchberg, Augsburg, Donauwörth, Nördlingen kamen wir abends 18.30 Uhr von unserer Urlaubs- und Abenteuerfahrt zurück. Es hatte sich alles erfüllt. Wir mussten das schlechte auskosten und das Gute nahmen wir mit so gut es ging. Ich sagte es schon einmal, an dieser Fahrt war alles dran was man sich nur denken kann. Es brachte Siege und Niederlagen, am Schluss waren wir mit vielen Eindrücken und Erfahrzungen heimgekehrt Für diesen Urlaub sage ich Ahoi und blinzele auf den nächsten. Viel Vergnügen, bis nächstes Mal.